
Judentum in Schifferstadt und der Pfalz
Die jüdische Geschichte in der Pfalz beginnt im Mittelalter. Die ersten jüdischen Gemeinden entstanden vor allem in Bischofsstädten, wo sie unter dem Schutz der Stadtoberen lebten. Viele Juden kamen aus Frankreich, Italien oder Spanien, waren gebildet und gehörten oft zur Elite ihrer Heimatländer.
In Speyer entwickelte sich eine besonders wichtige Gemeinde. Sie war nicht nur religiös, sondern hatte auch eine eigene Verwaltung und Rechtsprechung. Doch das Leben war gefährlich: 1096 wurde die Gemeinde von Kreuzrittern angegriffen. Später, 1348, wurden Juden fälschlicherweise beschuldigt, die Pest verbreitet zu haben. Noch bevor die Krankheit die Städte erreichte, wurden viele getötet und ihr Besitz zerstört. Viele flohen nach Polen, Litauen, Ungarn oder Norditalien.
Im Spätmittelalter zogen Juden zunehmend auch aufs Land. In Schifferstadt lässt sich ihre Anwesenheit ab 1662 nachweisen, eine feste Gemeinde entstand aber erst um 1800. Familien wie die Landmanns ließen sich dauerhaft nieder. 1892 wurde die Synagoge eröffnet, 1907 erhielt die Gemeinde einen Friedhof. Viele Juden arbeiteten als Händler, nutzten die Industrialisierung oder gingen akademischen Berufen nach. Sie engagierten sich auch im öffentlichen Leben.
Im Ersten Weltkrieg kämpften über 12.000 jüdische Soldaten, darunter 200 aus der Pfalz, und viele von ihnen starben, zum Beispiel Moritz Landmann aus Schifferstadt.
Ab 1933 änderte sich alles. Die Nationalsozialisten begannen, Juden systematisch zu verfolgen. Viele verloren ihr ganzes Vermögen und mussten auswandern. Bis 1938 sank die jüdische Bevölkerung in der Pfalz von 6.500 auf 3.300, in Schifferstadt von 35 auf 20 Menschen. Der Novemberpogrom 1938 war besonders grausam: Synagogen wurden zerstört, Häuser verwüstet, Menschen misshandelt und getötet. 1940 deportierten die Nazis fast alle Juden aus der Pfalz in das Lager Gurs in Südfrankreich. Die Lebensbedingungen dort waren so schlimm, dass viele starben, andere wurden in Vernichtungslager im Osten gebracht.
