
Das Steinmetzhandwerk – Einblick in ein Jahrtausend altes Handwerk
Das Steinmetzhandwerk gehört zu den ältesten Handwerksberufen der Menschheit. Seit Jahrtausenden bearbeiten Menschen Naturstein, um Bauwerke, Denkmäler und Kunstwerke zu erschaffen.
Schon in der Antike entstanden beeindruckende Bauwerke wie die Pyramiden von Gizeh oder der Parthenon, die ohne das handwerkliche Können von Steinmetzen nicht möglich gewesen wären.
Im Mittelalter waren Steinmetze besonders gefragt beim Bau großer Kathedralen. Sie arbeiteten oft in sogenannten Bauhütten und gaben ihr Wissen mündlich weiter. Die Ausbildung dauerte viele Jahre und war streng geregelt. Die Arbeitsweise bestand in der Bearbeitung von Naturstein per Hand unter Verwendung von Werkzeugen wie Hammer, Meißel und Spitzeisen, ganz ohne Maschinen oder elektrische Hilfsmittel, und erforderte dabei harte körperliche Arbeit.
Auch heute ist der Beruf des Steinmetzes sehr vielseitig – jedoch stark modernisiert. Er ist eine Kombination aus Handarbeit und Technik. Es kommen moderne Maschinen, wie CNC-Fräsen und Steinsägen zum Einsatz sowie computergestützte Planungsprogramme und präzise Vermessungstechniken.
Die Aufgaben des Steinmetzes beschränken sich heute auf Grabmale und Denkmäler, Fassadenverkleidungen, die Restaurierung historischer Gebäude sowie die Gestaltung von Innenräumen wie zum Beispiel Treppen. Bei der Restaurierung historischer Bauwerke sind Steinmetze weiterhin auf traditionelle Techniken angewiesen, um alte Bausubstanz originalgetreu zu erhalten.
Das Steinmetzhandwerk hat sich im Laufe der Zeit stark verändert. Während früher Muskelkraft und Erfahrung im Mittelpunkt standen, verbinden Steinmetze heute traditionelles Können mit moderner Technik. Trotzdem bleibt eines gleich: Die Arbeit mit Naturstein erfordert Präzision, Kreativität und handwerkliches Geschick.
In Deutschland und unserer pfälzischen Landschaft entstanden bereits in römischer Zeit steinerne Bau- und Kunstwerke, von denen sich noch Überreste erhalten haben. Sie entstanden vielfach ab dem ersten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung bis an das zu Ende gehende römische Weltreich im 4/5. Jahrhundert n. Chr. Die Germanen wie auch die Kelten und andere ansässige Völkerschaften kannten nur Holz als Baumaterial. Die Christianisierung und Urbarmachung des Landes im frühen Mittelalter gingen von den Mönchen aus. Zu jedem neu gegründeten Kloster gehörte daher eine Bau- und Steinmetzhütte. Die Mönche bauten ihre Klöster und Kirchen aus Stein und vermittelten ihr Wissen an Laien weiter. Das war der Ausgangspunkt zur Gründung eines eigenen Berufsstandes, der mit dem Beginn des Städtebaus um die Jahrtausendwende zunehmend an Bedeutung gewann. Im Mittelalter hatte jeder Steinmetz ein Zeichen, welches ihm bei der Freisprechung zum Gesellen von seinem Lehrmeister verliehen wurde.
Ein hervorragendes Beispiel großer mittelalterlicher Baukunst ist der Speyerer Dom und das einstige Kloster Limburg, beide aus Sandstein erbaut. Steinmetzarbeiten aus früherer Zeit sind in Schifferstadt besonders am Turm der St. Jakobuskirche zu finden. Im Heimatmuseum ist ein Fragment der ehemals dreiteiligen Kanzel von der Lorenzkapelle ausgestellt. Die Kanzel wurde 1546 von Nikolaus Hanauer gestiftet und gehört zu den ältesten Steinmetzarbeiten im Ort. Das 12 Jahre später errichtete Alte Rathaus wird im Erdgeschoss durch zahlreiche Steinmetzarbeiten geprägt, die harmonisch zu dem Gesamteindruck beitragen. Besonders die Tür- und Fensterbögen sowie die Wappen fallen dabei ins Auge.
Die Pfalz ist ein Bundsandsteingebiet. Sandstein ist ein gut zu bearbeitendes Naturmaterial, das schon von den Römern geschätzt wurde. Während früher am Rande des Pfälzer Waldes ca. 400 Steinbrüche in Betrieb waren, wird heute gerade noch in sieben Sandstein abgebaut. Dank der Maschinentechnik kann heute der Stein fast so schnell wie Holz gesägt oder gefräst werden. Die Technik der Steinbearbeitung dient dabei nur der schnelleren Vorfertigung des Werkstücks, aber der Steinmetz ist und bleibt der Vollender. Sein persönliches Können und seine Handschrift prägten zu allen Zeiten den fertigen Stein.

