100 Jahre – ein besonderes Jubiläum

Veröffentlicht am: 3. Mai 2026

100 Jahre Verein für Heimatpflege sind ein besonderes Jubiläum, das es würdig zu feiern gilt. Der Verein tat dies mit geladenen Gästen bei einer Feierstunde im Alten Rathaus. Besonderer Gast war Professor Dr. Frank Falkenstein, der die Fundstelle des Goldenen Hutes erforscht hat. Er stellte in seinem Festvortrag die Fundgeschichte und Bedeutung vor. Auch musikalisch gab es eine Hommage an den Hut. Werner Krämer erklärte, warum der Schifferstadter Verein seine Wurzeln im badischen „Ausland“ hat.

Der Besuch der Feierstunde war mit rund 70 Gästen erfreulich gut. Ab 10:30 Uhr unterhielt das Jazz Duo „Die Ausnahme“ die eintreffenden Gäste mit dezentem „Cocktail-Jazz“. Die Verpflichtung von Gereon Hoffmann (Gitarre) und Marc W. Pointner (Bass) erklärte Krämer den Gästen so: Bei der Gründung des Vereins für Heimatpflege im Jahr 1926 gab es in Schifferstadt schon eine Jazz-Band, die Funke-Jazzer. Fritz, Schorsch, Wilhelm und Franz Funk waren vier Brüder, die die moderne neue Musik schon spielten. Franz Funk ist als Komponist sehr bekannt geworden. Er hatte internationale Hits wie „Zwei Gitarren am Meer“, „Schönes Wetter heute“ und weitere. Franz Funk ist zu Gereon Hoffmann ein Cousin dritten Grades.

Zur Eröffnung der Feierstunde begrüßte Werner Krämer Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur der Stadt und dankte allen, die den Verein unterstützt und gefördert haben. „Ohne Sie wäre der Verein nicht in der Lage gewesen, seine durch die Satzung vorgegebenen vielseitigen und vielfältigen Aufgaben zu erfüllen“, sagte der Vorsitzende. Besonders bedankte sich Krämer bei Bürgermeisterin Ilona Volk als Vertreterin der Stadt. Die Stadt habe über alle die Zeit des Bestehens dem Verein für Heimatpflege die Erforschung, Pflege und Dokumentation der Stadtgeschichte anvertraut – wo sie in besten Händen und Köpfen war, sagte Krämer. Der Verein sei sozusagen „Outsourcing-Partner“ der Stadt in Sachen Stadtgeschichte.

Grüße und Würdigung im Namen der Bürgermeisterin

Die Bürgermeisterin konnte wegen eines kurzfristig nötig gewordenen Krankenhausaufenthalts nicht anwesend sein. An ihrer Stelle verlas der Erste Beigeordnete Patrick Poss, das von ihr persönlich formulierte Grußwort.
Die Bürgermeisterin würdigte Engagement, Verantwortungsbewusstsein und Beständigkeit des Vereins und seine tiefe Verbundenheit mit der Stadt und ihrer Geschichte. „Seit 100 Jahren setzen sie sich mit großem Einsatz dafür ein, Traditionen zu bewahren, Geschichte lebendig zu halten und unsere kulturelle Identität für kommende Generationen erfahrbar zu machen“, so die Bürgermeisterin. Besonders wichtig sei das Heimatmuseum, das in der Verantwortung des Vereins liege. Erfreulich seien die Angebote zur Vermittlung der lokalen Geschichte, die Führungen und Veranstaltungen. Besonders freut sich die Bürgermeisterin über die speziellen Angebote für Kinder.

Die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Verein für Heimatpflege sei eng und vertrauensvoll. Als Beispiel nannte die Bürgermeisterin die Gestaltung des Tags des Goldenen Hutes. Das Wirken des Vereins sei im öffentlichen Leben sichtbar. Als Beispiel für Erinnerungskultur nannte sie die Benennung und Beschilderung des Ernst-Ripplinger-Platzes vor der St. Jakobus Kirche.

Dank für Engagement an die Aktiven – Die Bürgermeisterin dankte allen Mitgliedern des Vereins, die sich über viele Jahre hinweg ehrenamtlich engagieren und engagiert haben. „Ohne Ihre Leidenschaft, Ihre Zeit und Ihre Überzeugung wäre eine solche Erfolgsgeschichte nicht möglich gewesen“, schrieb sie im Grußwort.

Besonders würdigte die Bürgermeisterin die Arbeit von Werner Krämer, der seit 2007 Vorsitzender ist. Er habe „stets mit großem Verantwortungsbewusstsein, Weitblick und persönlichem Einsatz“, den Verein maßgeblich mitgeprägt. Dieses Engagement sei „von unschätzbarem Wert.“ Mit Blick auf die Zukunft ist die Bürgermeisterin überzeugt, dass der Verein für Heimatpflege auch in Zukunft eine wichtige Rolle im Leben der Stadt spielen werde. Seine Arbeit stärke den Zusammenhalt und die Gemeinschaft der Stadtgesellschaft.

Ein „Dankeschön“ der Stadt in Form einer Zuwendung von 500 Euro überreichte der Beigeordnete Poss dem Vorsitzenden.

Neues über den Goldenen Hut von Professor Frank Falkenberg

Festredner Professor Dr. Frank Falkenstein referierte über die Fundumstände des Goldenen Hutes und seine Einordnung in Archäologie und Geschichtswissenschaft. Der Goldhut gehöre zu den weltweit bedeutendsten Funden der Frühgeschichte. Zu den bekannten Befunden, wie sie veröffentlicht sind in der Publikation „Der Goldene Hut von Schifferstadt“ (Hrsg. Historisches Museum der Pfalz Speyer, ISBN 978-3-930239-20-7) berichtete Professor Falkenstein auch über neuere Befunde. So sei es möglich geworden Begleitfunde wie etwa aus der nahen gelegenen Siedlung, noch genauer zu datieren. Auch das Verfahren der Punzierung mit Ornamenten im Goldblech des Hutes sei jetzt genauer bekannt. Die Ansicht, der Hut sei eine zeremoniale Kopfbedeckung für einen Druiden, scheint sich zu erhärten. Die ergebe sich aus einer Verstärkung der Hutkrempe mit einem Kupferdraht, dessen Reste Falkenstein und seine Studenten bei einer Grabung 2006 gefunden haben.

Werner Krämer bedankte sich bei Professor Falkenstein und seinen Mitarbeitern für den Festvortrag und eine Publikation von Professor Falkenstein und Marc Bentz, die die beiden Wissenschaftler dem Verein zur Verfügung stellen. Teile davon sollen auch am Fundort auf Tafeln zu lesen sein. Krämer hofft auf eine Fortsetzung der guten Zusammenarbeit.

Woher kommst Du – wohin gehst Du, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Heimatvereins

Anstelle des gesundheitlich angeschlagenen Werner Krämer verlas sein Stellvertreter Stephan Link dessen Vortrag zur Geschichte des Vereins.
Krämer berichtet, dass die Idee zum Schifferstadter Verein für Heimatpflege in Neckarbischofsheim entstanden sei. Dorthin sind Anfangs der 1020er Jahre 144 Schifferstadter aus 39 Familien gegangen, die gegen die französische Besatzung passiven Widerstand leisteten und deshalb die Pfalz verlassen mussten. Bislang gebe es leider keine weiteren Zeugnisse über die Schifferstadter in der badischen Kleinstadt. Nach unruhigen Jahren mit Inflation und pfälzer Separatismus trafen sich am 6. März 1926 neun Schifferstadter in der Wohnung von Georg Bast in der Altenhofstraße und gründeten dort den Verein für Heimatpflege. Einen Verein gleichen Namens kannten sie aus dem Exil in Neckarbischofsheim. Lorenz Mayer wurde der Gründungsvorsitzende. Im Vereinslokal „Zur Heimatpflege“ durften sich, entsprechend einer Auflage der Behörden, nur Mitglieder treffen. „Die Liebe zur Heimat sollte durch Wissen verstärkt, verankert und vertieft werden“ berichtet Krämer. Schon damals lud der Verein Fachleute zu Vorträgen ein und organisierte Exkursionen. Schon 1927 wurde der Schifferstadter Verein Mitglied des Historischen Vereins der Pfalz. Die Mitglieder sammelten historische Gebrauchsgegenstände und Werkzeuge aus alter Zeit, ebenso wie Bodenfunde aus der Schifferstadter Gemarkung. Ziel war, sie in einem späteren Heimatmuseum der Öffentlichkeit zu bewahren. Auch Ortsverschönerung, wie etwa bei Kreuz, Schiller, und Zimmerplatz standen laut Krämer auf der Agenda. Am 1. Januar 1931 konnte der Verein das Heimatmuseum eröffnen, Georg Sturm, ein großer Heimatforscher, war der erste Kurator. Alle Vereinsaktivitäten waren während der Herrschaft der Nationalsozialisten unterbrochen, der Verein als Folge der Gleichschaltung aufgelöst. Doch schon am 9. Dezember 1946 wurde er wiedergegründet und einen Monat später von der (wieder) französischen Militärregierung genehmigt. Schnell gab es wieder ein reges Vereinsleben mit Vorträgen von Prof. Ernst Christmann, Dr. Friedrich Sprater und Dr. Karl-Werner Kaiser vom Amt für Vor- und Frühgeschichte, sowie von den Landeskonservatoren Dr. Wolfgang Medding und Dr. Fritz Braun von der Heimatstelle des Bezirksverbands Pfalz, dem heutigen Institut für Pfälzische Geschichte und Volkskunde. „Das zeigt, damals wie heute, welchen hohen Stellenwert der Verein der fundierten Unterstützung durch Wissenschaftler beimisst“, sagte Krämer. Gemeinsame Aktivitäten mit den in Schifferstadt angekommenen 3000 Heimatvertriebenen, stärkten die Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit. Zu Weihnachten 1961 legte Georg Sturm die erste Ortsgeschichte als Buch vor: „Geschichte meiner Heimatgemeinde Schifferstadt.“

Immer wieder lud der Verein Wissenschaftler ein, neue Erkenntnisse zum Goldenen Hut zu berichten. So kam 1982 Dr. Wilfried Mengin, der später Leiter des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin wurde. 1983 bezog der Verein den restaurierten Adlerhof mit neuen Geschäftsräumen und dem wieder errichteten Heimatmuseum samt Depot. Das war dem Vereinsmitglied und späteren Vorsitzenden Theo Magin zu verdanken, der sich gegen den Abriss mit dem Gewicht seiner politischen Autorität einsetzte. Magin wurde 1996 Vorsitzender. Ab 1996 katalogisierte und inventarisierte Andreas Best im Auftrag des Vereins die über 1000 Exponate des Museums mit Text und Bild auf Karteikarten.

Zum 75-jährigen Bestehen gab der Verein eine informative Jubiläumsbroschüre heraus. Es gab ein Museumsgespräch zum Thema Schifferstadt in den 1920er Jahren und Dr. Lothar Sperber, Abteilungsleiter Vor- und Frühgeschichte des Historischen Museums Speyer berichtet neue Erkenntnisse zum Goldenen Hut.

Die Aufgaben des Vereins

Krämer berichtete von den vielfältigen Aufgaben, denen sich der Verein verschrieben hat:
Pflege, Erhalt und Erforschung von Zeugnissen der Heimatgeschichte gehören ebenso dazu wie die Unterstützung der Stadt in allen Fragen zu Stadtgeschichte und Denkmalpflege. Das Wissen über die Heimat will der Verein in der breiten Öffentlichkeit verbreiten und vertiefen durch Vorträge, Exkursionen und Aufstellen von Informationstafeln an historisch wichtigen Orten und Gebäuden. Dafür will der Verein weiter mit Fachleuten, Institutionen und Kommunen zusammenarbeiten. Das Angebot für Mitglieder ist bunt und reichhaltig: Vorträge und teils mehrtägige Exkursionen bieten nicht nur Informatives, sondern auch geselliges Beisammensein und Austausch unter Heimatfreunden.

Nächste Ziele seien unter anderem eine Informationstafel am Fundort des Goldenen Hutes in Zusammenarbeit mit Prof. Falkenstein und der Graphikerin Gabriele Riefling-Repp. Bei Überlegungen zur touristischen Erschließung der historischen Orte der Gemarkung will der Verein die Stadt fachlich unterstützen. Gleich wichtig sind der Erhalt und Schutz der historischen Fundstätten und archäologisch bedeutsamen Orte. Diese Aktivitäten sollen über Presse und Medien der Öffentlichkeit vermittelt werden.

Mitglieder gesucht!

Ein großes Problem für den Verein sei die Überalterung und der Mangel an jüngeren Interessenten. Laut Krämer seien von 255 Mitgliedern 190 über 70 Jahre alt.

Die Funke-Jazzer und ihr Nachfahre

Für die musikalische Gestaltung der Feier spielte „Die Ausnahme“ ein Jazzstück aus dem Jahr 1926, dem noch deutlich die Wurzeln im Ragtime anzuhören sind. Das Stück von Franz Funk „Der Gold’ne Hut von Schifferstadt“ haben die beiden Musiker für ihre Besetzung aus einem Manuskript des Komponisten erarbeitet. Es ist 1981 in Dumont, New Jersey in den USA entstanden, wo Franz Funk bis zu seinem Tod 1986 lebte. Gitarrist Hoffmann berichtete, dass das Erbe der Schifferstadter Funke-Jazzer zumindest teilweise von dem bekannten Stuttgarter Musiker Patrick Siben und seinem Salon-Orchester weiter gepflegt wird. Siben hat viele Arrangements der musikalischen Brüder aufgekauft.

Nach dem Festakt unterhielt das Duo die Gäste mit leichter Jazzmusik, am Buffet gab es leckere Häppchen und kühle Getränke. Lange noch standen Besucher beisammen und unterhielten sich angeregt. Die Musik wurde laut Krämer vielfach gelobt und geschätzt.

Gereon Hoffmann
Freier Journalist & Musiker
gereon.hoffmann@email.de