
Veröffentlicht am: 5. Oktober 2026
Traditionen bewahren – Die Geschichte des Karpfenessens (Jugendliche)
Der Ursprung des Karpfenessens entstand aus einer Notlage heraus und liegt etwa 290 Jahre zurück.
Alles begann in der Nachbargemeinde Otterstadt, die nahe am Rhein liegt.
Damals trat der Rhein großflächig über die Ufer und überschwemmte die Weideflächen der Otterstadter Bauern. Hilflos mussten die Menschen zusehen, wie das Wasser immer bedrohlicher anstieg und beinahe eine Hungersnot auslöste.
Wo sollten ihre Tiere nun saftiges Gras finden? Die ganzen Weiden standen unter Wasser…
In ihrer Verzweiflung baten sie die Schifferstadter Bauern, ihnen aus ihrer bedrohlichen Lage zu helfen, solange der Rhein die Grasflächen zu Seen machte. Betroffen vom harten Schicksal ihrer Nachbarn standen ihnen die Schifferstadter freundschaftlich bei. Alle bedrohten Tiere sollten auf die Schifferstadter Weideflächen getrieben werden, damit sie wieder Nahrung fänden und nicht hungrig blieben. Ja auch die Menschen hätten sonst keine Milch und könnten sich nicht ihren Lebensunterhalt verdienen. Selbstverständlich und mitfühlend ließen sie die Tiere auf die Weiden nach Schifferstadt bringen. So konnten die schlimmen Auswirkungen des Otterstadter Rheinhochwassers mit der Hilfe der Nachbarn überstanden werden. Die Menschen waren glücklich und empfanden eine tiefe Dankbarkeit für dieses großartige „Zur Seite stehen“. Deswegen sind die Schifferstadter ihnen zu Freunden geworden und weil der Fischfang schon immer auch zu ihrem Lebensunterhalt beitrug, bedanken sie sich seitdem mit dem größten Karpfen, den sie gefangen haben.
Alljährlich hat das jüngste Brautpaar des Dorfes die große Ehre, stellvertretend für alle Otterstadter, den Karpfen den Schifferstadtern zum Dank für ihre freundschaftliche Nothilfe zu überreichen.
Mittlerweile ist es kein zappelnder Karpfen mehr, auch um die Fischbestände zu schützen. Ein symbolischer Fisch, gebacken aus Brotteig, ersetzt den echten Karpfen. Meistens wird er dem Bürgermeister oder der Bürgermeisterin beim dortigen Karpfenfest übergeben. Diesmal war es Frau Volk, zusammen mit der Rettichkönigin Julia I.. Serviert wird dieses Geschenk dann beim „Tag der Alten“.
Daraus entwickelte sich der Brauch des Karpfenessens für die 12 ältesten Bürger aus Schifferstadt.
Und so feiert die Stadt Schifferstadt seit dem Jahr 1934 den „Tag der ältesten Bürger der Stadt“, an dem der Tradition nach jedes Jahr Fisch serviert wird.
Dabei erzählen und erinnern die älteren Bürger die Geschichte der bedrohlichen Überschwemmung und der wunderbaren Hilfe der Nachbarn. Sie geben so den jüngeren Menschen weiter, wie man früher gelebt hat und Geschichten, wie das vom Hochwasser, soll dadurch im Gedächtnis der Menschen erhalten bleiben, und keinesfalls vergessen werden.
Beim gemeinsamen Karpfenessen feiern die Schifferstadter und die Otterstadter an diesem Tag ihre Freundschaft und die Erinnerung an die großzügige wunderbare Hilfe der Menschen damals.
Davon erzählen auch die Urkunden. Sie besiegeln die Freundschaft mit der Unterschriften der beiden Bürgermeister. Ein paar davon könnt ihr euch unten anschauen.
Schließlich haben die ältesten Schifferstadter Bürger nun die Ehre, sich ins goldene Buch der Stadt einzutragen.
Und am Ende erhielten sie als Geschenk zur Erinnerung an dieses freundschaftliche Essen in diesem Jahr (2026) eine Kerze, die Kindergartenkinder der Kita St. Jakobus für sie mit viel Freude verziert hatten. Karpfen und Kuh als Symbole der Freundschaft.
Die Tradition des Karpfenessens ist ein Zeugnis dafür, was Freundschaft bedeutet:
Hilfe geben und sehen, wo sie nötig ist.
Deshalb ist es zur Tradition geworden, die gegenseitige Freundschaft immer wieder zu feiern.













