
Der Bürgermeisterstab von Schifferstadt
Ein einzigartiges Relikt aus napoleonischer Zeit
Der Bürgermeisterstab von Schifferstadt ist ein besonderes Zeugnis der napoleonischen Epoche. Er stammt aus der Zeit, als das Dorf Schifferstadt im Departement Mont Tonnere (Donnersberg) Teil der Französischen Republik war. Redewendungen wie „den Stab übergeben“, „den Stab abgeben“ oder „den Stab brechen“ erinnern noch heute an die symbolische Bedeutung solcher Amtsstäbe. Schon seit dem Spätmittelalter führten Bürgermeister in Reichs- und Hansestädten solche Insignien. In den Dörfern hingegen war der Schultheiß die wichtigste Autorität – entsprechend gab es dort Schultheißenstäbe. Erst mit der französischen Verwaltung wurde auch in den deutschen Dörfern ein Bürgermeister (Maire) eingesetzt.
Zeichen von Autorität
In Schifferstadt ist ein Schultheißenstab bereits 1574 belegt. Während seiner Amtszeit trug der jeweilige Amtsträger den Stab stets bei sich, weshalb er im Volksmund als „Stabhalter“ bezeichnet wurde. Der Stab war ein sichtbares Zeichen seiner Autorität und diente als Insignie der Macht. Mit der Übergabe des Stabes erfolgte die feierliche Investitur ins Amt – vergleichbar mit den Ritualen bei Königen oder Bischöfen. Verwandte Symbole finden sich in der Bürgermeisterkette oder im Marschallstab.
Verwendung
Wie der Stab im Detail verwendet wurde, ist in Schifferstadt nur bruchstückhaft überliefert. Ratsprotokolle aus Reichsstädten lassen jedoch vermuten, dass Urteile – selbst in kleineren Fällen – durch die symbolische Berührung des Stabes Rechtskraft erhielten. Als Maire verkörperte der Bürgermeister von Schifferstadt in der Französischen Republik und im Kaiserreich den Vertreter des höchsten Staatsoberhauptes: Napoleon.
Beschreibung
Der Schifferstadter Bürgermeisterstab ist heute 78 cm lang, war ursprünglich aber wohl länger – das untere Ende ist abgebrochen. Er besteht aus dem Stab selbst und einem Kopfstück, das eine Büste Napoleons zeigt. Zwar passen die verschränkten Arme nicht zu Napoleons üblichem Auftreten, doch sein markanter Zweispitz ist unverkennbar.
Geschichte
Wegen dieser Darstellung trägt das Stück den Namen „Napoleonstab“. In der französischen Zeit führte der Maire den Stab mit direktem Bezug auf den obersten Repräsentanten der Republik und des späteren Kaiserreichs. Damit besaß der Bürgermeisterstab eine weit höhere symbolische Autorität als der frühere Schultheißenstab.
Nach den Wirren der napoleonischen Zeit verlor sich jedoch das Verständnis für den rituellen Gebrauch des Stabes. Heute bleibt er ein einzigartiges Relikt, das von der Bedeutung Schifferstadts in jener Epoche zeugt.



