
Das Schicksal der kleinen Agathe
Die Inschrift auf der Stele ist nur noch schwer zu lesen: „Hier starb durch Mörderhand am 15. August 1926 Agathe Thomas.“ Agathe war gerade einmal neun Jahre alt, als sie gemeinsam mit einer gleichaltrigen Freundin in den Wald ging, um Haselnüsse zu sammeln. Plötzlich kam ein Mann aus dem Gebüsch und hat das Mädchen gepackt. Während ihre Freundin fliehen und die Familie alarmieren konnte, wurde Agathe schlimmes Leid angetan.
Die sofort eingeleitete Suche endete tragisch: Man fand Agathe unweit des Weges, in der genannten Waldabteilung, leblos und blutüberströmt. Schon bald nahm man einen Verdächtigen fest – einen 32-jährigen Bettler, der sich in der Nähe aufgehalten hatte. An seinem Hemd entdeckte man Blutspuren, und viele waren überzeugt, den Täter gefunden zu haben. Die Polizei musste einschreiten, um zu verhindern, dass die aufgebrachte Menge den Mann lynchte. Doch schließlich stellte sich heraus, dass er unschuldig war. Der wahre Täter wurde nie ermittelt.
Es blieb jedoch ein Verdacht: Kurz nach dem Verbrechen wurde ein Familienvater im Wald erhängt gefunden. Viele glaubten, dass er der eigentliche Täter gewesen sei und sich aus Angst vor seiner Entdeckung das Leben genommen habe.
Bis heute ist Agathe Thomas vielen Menschen in Schifferstadt ein Begriff. Über Jahrzehnte hinweg war ihre Geschichte eine Mahnung – und viele Mütter warnten ihre Kinder mit dem Hinweis auf Agathe davor, allein in den Wald zu gehen.
