Geschichte

Veröffentlicht am: 3. April 2026

Zigarrenmacher

Zigarren aus der Pfalz gab es noch bis Ende der 60er Jahre.

Der Beruf des Zigarrenmachers hat im Laufe der Zeit einen tiefgreifenden Wandel erfahren. Während er im 19. und frühen 20. Jahrhundert noch ein weit verbreiteter handwerklicher Massenberuf war, der häufig in Heimarbeit ausgeübt wurde, ist er heute überwiegend Teil einer modernen, technisch geprägten Produktionswelt. Nur im Premiumsegment lebt die traditionelle Handarbeit noch fort.

Früher war die Zigarrenherstellung reine Handarbeit. Mit einfachen Werkzeugen wie Wickelbrett, Messer, Schere und Kleister rollten die Zigarrenmacher die Tabakeinlage sorgfältig in das Deckblatt. Gearbeitet wurde oft zu Hause oder in kleinen Manufakturen, sogenannten „Stumpenbuden“, in denen nicht selten die gesamte Familie – einschließlich der Kinder – mithalf. Die Arbeit war körperlich anstrengend und schlecht bezahlt. Dennoch galt der Beruf als vergleichsweise freiheitlich, da die mechanische Tätigkeit Raum für Gespräche und politische Diskussionen ließ. Zigarren wurden häufig direkt auf Bauernhöfen oder in kleinen Läden verkauft, was den Beruf stark in die regionale Wirtschaft einband.

Mehrere Zigarrenfabriken siedelten sich Mitte des 19. Jahrhunderts in der Pfalz an. In Schifferstadt gab es nach Ende des Zweiten Weltkrieges die Firma Ringwald, die Tabak fermentierte und für die Verarbeitung vorbereitete, und die amerikanische Firma Microflake, die ebenfalls Rohtabak verarbeitete. Eine Hochburg der Zigarrenherstellung war die Nachbargemeinde Rödersheim-Gronau, die letzte Fabrik schloss 1967.

In Schifferstadt wurde Tabak im großen Stil angebaut. 1857 wurden 5.250 Zentner Tabak geerntet, 1872 rund 7.000 Zentner. Dieser Tabak wurde in die Tabak- und Zigarrenfabriken in Landau, Ludwigshafen, Neustadt und Speyer geliefert. Allein in der Oggersheimer Fabrik wurden täglich 50.000 Zigarren zum Preis von sieben bis zu 80 Gulden pro 1.000 Stück hergestellt.

Heute dominieren Maschinen, und der klassische Zigarrenmacher wurde zum Tabakfacharbeiter oder Maschinenführer. Arbeitsbedingungen, Vertrieb und Verpackung sind moderner und standardisiert. Nur im Premiumsegment, etwa bei Longfiller-Zigarren, wird die traditionelle Handarbeit noch gepflegt, z. B. in spezialisierten Manufakturen in der Dominikanischen Republik oder in Deutschland.

Zusammenfassend hat sich der Beruf von handwerklicher Heimarbeit zur spezialisierten industriellen Tätigkeit entwickelt, während traditionelle Handarbeit als Qualitätsmerkmal erhalten blieb.

Andere Themen

  • Judentum in Schifferstadt und der Pfalz

    Die jüdische Geschichte in der Pfalz beginnt im Mittelalter. Die ersten jüdischen Gemeinden entstanden vor allem in Bischofsstädten, wo sie unter dem Schutz der Stadtoberen lebten. Viele Juden kamen aus Frankreich, Italien oder Spanien, waren gebildet und gehörten oft zur Elite ihrer Heimatländer.

  • Theo Magin – Eine prägende Persönlichkeit Schifferstadts

    Theo Magin zählt zu den herausragenden Persönlichkeiten der Stadt Schifferstadt, dessen Wirken weit über die Stadtgrenzen hinaus Beachtung fand. Mit seinem Engagement, seiner Fachkompetenz und seiner tiefen Verbundenheit zur Region hat er das gesellschaftliche und kulturelle Leben nachhaltig geprägt.