
Zimmermannshandwerk – Volkstümliches Bauen kommt im Fachwerkbau zum Ausdruck
Der Fachwerkbau, wurde einst durch die Arbeit des Zimmermanns erstellt. Er zählt zu den ältesten Berufen der Handwerkerschaft. Er plante und führte nicht nur das Fachwerk aus, er war auch für seine statische Sicherheit haftbar und auch in der Lage, mit dem Schnitzmesser den Bau zu verschönern. Schon im 12. Jahrhundert organisierten sich die Zimmerleute in einer eigenen Zunft, der jeder dieser Handwerker zwangsweise angehören musste.
Die Zunftordnung regelte die Rechte und Pflichten der Mitglieder. Schon im Mittelalter war eine Lehrzeit von drei Jahren Pflicht. Nach dem Freispruch des Lehrjungen musste dieser als Geselle zwei bis drei Jahre auf die Wanderschaft gehen, um fremde Arbeitsweisen zu erfahren. Die Eheschließung musste auf spätere Zeit verschoben werden. Für diese Gesellen-Wanderzeit war die Kleidung vorgeschrieben: schwarze Manchesterhose, schwarze Weste und schwarzer, breitrandiger Hut, weißes Hemd mit Krawatte und derber Wanderstab. Die wichtigsten Werkzeuge musste der Geselle auf seiner Wanderschaft mitführen. Nach Rückkehr aus der Wanderschaft konnte der Geselle den Meistertitel erwerben und sich als selbständiger Handwerker betätigen. Wandernde Zimmerleute kann man auch manchmal heutzutage noch im Straßenbild sehen.
Viel Arbeit gab es für die Zimmerleute, als 1911 an der westlichen Giebelseite des Alten Rathauses der Verputz entfernt wurde und zahlreiche schwere Schäden an der Holzkonstruktion zutage traten. Über die Hälfte es Fachwerks musste erneuert werden.
Steinmetz und Zimmermann haben mit ihrem Handwerk dem Alten Rathaus Schifferstadt ihren Stempel aufgedrückt und es nach dem Urteil von Kunsthistoriker zu einem der schönsten und interessantesten Fachwerk-Rathäuser der Pfalz gemacht hat.
Der Fachwerkbau hat in Deutschland eine lange Tradition, dessen Anfänge bis in die Jungsteinzeit zurückreicht. Verwendet wurden dazu die von der Natur zur Verfügung stehenden Materialien Holz, Lehm und Stroh. Später entwickelte sich daraus der Ständerbau, der durch senkrechte und waagrechte Hölzer gegliedert ist. Mit der Zeit wurden die Gefache im Skelettbau durch weitere Gliederung mit Streben und Riegel versehen. Andreaskreuze, Rauten und ähnliche Dekorationen tragen so zur harmonischen Gestaltung bei.
Nachdem 1981 die Restaurierung des Alten Rathauses abgeschlossen war, wurden auch von privater Seite zahlreiche Renovierungs- und Sanierungsmaßnahmen an Fachwerkhäusern vorgenommen. Ermöglicht wurde das durch das Städtebauförderungsprogramm von Bund, Land, Kreis und Stadt. Mit Millionenbeträgen wurden so alte, erhaltungswürdige Fachwerkhäuser vor dem Abriss gerettet und als Zeugnis ursprünglichen, landwirtschaftlichen Lebens erhalten. Heute erfreuen wir uns an den schönen Fassaden, vermitteln sie uns doch bodenständige Kultur, solide Zimmermanns- und ästhetische Volkskunst.
