Geschichte
Published On: 8. Februar 2026

Zur Geschichte der Synagogen

Die Geschichte der Synagoge in Schifferstadt

Im Anfang des 19. Jahrhunderts lebten nur wenige jüdische Familien in Schifferstadt. Zuerst besuchten sie die Synagogen in Speyer und später in Böhl. Ab 1826 hatten sie dann einen eigenen Betsaal in Schifferstadt. Dieser Raum wurde gemeinsam eingerichtet und für etwa 25 Jahre genutzt. Wo genau er stand, weiß man heute nicht.

Weil die jüdische Gemeinde wuchs, kauften die Familien 1851 ein Gebäude in der heutigen Hauptstraße. Dort richteten sie eine kleine Synagoge ein, die 1852 eingeweiht wurde. Der Raum war recht klein: Es gab getrennte Bereiche und Eingänge für Männer und Frauen. Insgesamt hatten nur 32 Personen Platz. Das Gebäude war jedoch schlecht gebaut und musste oft repariert werden. Schließlich war es so baufällig, dass man sich 1888 entschloss, es zu verkaufen und eine neue Synagoge zu bauen – obwohl das für die wenigen Familien finanziell sehr schwierig war. Ein Brand im Jahr 1890 beschädigte das Gebäude so stark, dass klar wurde: Eine neue Synagoge war notwendig.

Bis zur Fertigstellung der neuen Synagoge fanden die Gottesdienste in einem Tanzsaal einer Gastwirtschaft in der Kirchenstraße statt. 1891 kaufte die jüdische Gemeinde ein Grundstück in der Bahnhofstraße. Geld für den Bau kam aus Spenden, einer großen Sammlung im damaligen Königreich Bayern und auch von der politischen Gemeinde Schifferstadt. Der Bau wurde 1892 abgeschlossen. Am 9. und 10. September 1892 wurde die neue Synagoge feierlich eingeweiht – mit einem großen Fest für den ganzen Ort.

Die Synagoge war architektonisch etwas Besonderes. Sie hatte einen großen Hufeisenbogen über dem Eingang, eine blaue Decke mit Sternen und einen hellen Toraschrein aus Holz. Über viele Jahre war sie das Zentrum des jüdischen Gemeindelebens: Hier wurde gebetet, gefeiert und zusammengekommen.

Ab 1933 änderte sich die Situation dramatisch. Viele jüdische Familien verließen Schifferstadt, und es wurde immer schwieriger, Gottesdienste abzuhalten. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge am 10. November von SA-Leuten in Brand gesetzt und zerstört. Nach dem Feuer standen nur noch die Grundmauern.
Die jüdische Gemeinde wurde später gezwungen, das Grundstück für einen sehr niedrigen Preis zu verkaufen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wechselte das Grundstück mehrmals den Besitzer und wurde später neu bebaut. Seit den 1980er Jahren setzte man sich dafür ein, an die zerstörte Synagoge zu erinnern. 1984 wurde schließlich ein Gedenkstein aufgestellt. Er erinnert an die Synagoge und an die jüdischen Familien aus Schifferstadt, die unter der Verfolgung in der NS-Zeit schwer gelitten haben.

Wichtige Standorte im Überblick

  • Hauptstraße (Neue Sandgasse 22): erste Synagoge (1856–1888)
  • Kirchenstraße 16: Betsaal (1888–1892)
  • Bahnhofstraße 48: Synagoge (1892–1938)

Die Geschichte der Synagoge zeigt, wie wichtig Erinnerung, Respekt und Toleranz sind – damit sich solche Verbrechen nie wiederholen.

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